Die Rolle des Sachverständigen im familiengerichtlichen Verfahren

 

Im neuen FamFG wird im § 163 geregelt, welche Qualifikation der im Rahmen eines familiengerichtlichen Verfahrens beauftragte psychologische Sachverständige haben soll. Zusätzlich und neu ist die Möglichkeit, die dem Gericht in Absatz (2) eingeräumt wurde. Es kann demnach anordnen, dass der Sachverständige bei der Erstellung des Gutachtens auch auf die Herstellung des Einvernehmens zwischen den Beteiligten hinwirken soll. Das Sachverständigengutachten hat eben nicht nur die Aufgabe, dem Familienrichter bei dessen Entscheidungsfindung zu helfen, sondern auch, die Betroffenen, unter dem Gesichtspunkt des Kindeswohls, so weit wie möglich mit psychologischer Hilfe bei der Erarbeitung einer eigenverantwortlich getragenen Lösung zu unterstützen. Diese beiden Zielvorgaben schließen sich nicht gegenseitig aus, sondern führen bestenfalls zu einer integrierten Lösung, wie dies insbesondere im Rahmen des ANTS in Augsburg seit nunmehr über zehn Jahren, d.h. bereits vor Inkrafttreten des neuen FamFG, praktiziert wird.

Die GWG Augsburg legt besonderen Wert auf eine gründliche Exploration der Beteiligten und ihrer Lebensverhältnisse sowie ihrer Vorstellungen bezüglich des gerichtlichen Verfahrens. Die diagnostische Vorgehensweise wird in jedem einzelnen Fall den Besonderheiten des Falles und der Fragestellung des Gerichts angepasst. Wenn es nötig erscheint, so wird auch die Erholung weiterer Gutachten (z.B. eines psychiatrischen Sachverständigengutachtens oder einer toxikologischen Haaranalyse) angeregt.

Problematisch ist, dass es in der Familienrechtspsychologie weiterhin an sicherem Fachwissen und Methoden fehlt, die es erlauben würden, auf eine spezifische Frage des Gerichts für eine besondere Familiensituation mit naturwissenschaftlicher Sicherheit Prognosen zu stellen. Aufgrund dieses Mangels bedient sich der Sachverständige wahlweise der Methoden einzelner Fachdisziplinen, z.B. der klinischen Psychologie, der Scheidungs- und Bindungsforschung oder der Entwicklungspsychologie. Darüber hinaus gibt es kaum empirische Forschung über die Vorzüge/Nachteile diverser Umgangs- und Übernachtungsregelungen. Somit ist der Sachverständige auf die Ergebnisse der Grundlagenforschung angewiesen, die er mit der Realität und den individuellen Gegebenheiten jedes Einzelfalls im Einklang zu bringen versucht.

Sachverständigengutachten polarisieren – dies liegt in der Natur der Sache. Der kollegiale Austausch im Rahmen des ANTS fördert jedoch ein besseres Verständnis für die Rolle, Aufgabe und Verantwortung des Sachverständigen, der jedenfalls unparteiisch, unbefangen und neutral vorgehen und neben der Fachkenntnis ein fundiertes Wissen der einschlägigen Gesetze vorweisen sollte.